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20. Mai 2010
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Kinotipps -
Dokumentationen
In München hat sich eine ganz besondere Subkultur gebildet:
Die Eisbach-Surfer, sportfanatische Surfer, die auf einer stehenden Welle im Isarableger Eisbach direkt am Englischen Garten vor Zuschauern ihre Tricks zeigen.
Neben der spektakulären Sucht nach Freiheit und Lebenslust führen die Protagonisten ein ganz normales Leben als Zivilisten, die ein besonderes Hobby pflegen.
Die Beach Boys der Voralpenstadt haben Surfing I.S.A.R. zum Lebensmotto deklariert und auf einem winzigen Nebenarm des Flusses - dem Eisbach direkt am Englischen Garten -, ihr kleines Paradies eingerichtet, um auf einer stehenden Welle im flachen, aber reißenden Wasser fast ganzjährig auf dem Surfbrett zu stehen.
Björn Richie Lob, der Regisseur, der selbst begeisterter Eisbach-Surfer ist, rekonstruiert die Historie der Subkultur anhand von sechs gestählten Recken des circa 20 Mann umfassenden harten Kerns unentwegter Surfer.
Die rasant montierte Doku folgt den Sportlern auf der Suche nach dem Kick, den schon mal die Polizei auf der offenen, Hochwasser führenden Isar bei lebensgefährlichen Strudeln beenden muss.
Denn nichts und niemand kann die Leidenschaft zügeln und Lob versteht es blendend, diese Energie an die Zuschauer weiterzugeben.
Sechs Lebensentwürfe, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch vereint sind in der Liebe, um nicht zu sagen, Sucht nach jener Freiheit und Lebenslust, die gut gelaunte Surfsongs besingen.
Rotstichige Super-8-Filme beleuchten die Pionierzeit, als Brettl fahren noch ein Geheimtipp war.
Heute sind bis zu 200 SurferInnen dabei.
Und wenn die internationale Surf-Elite mit viel Medien-Tamtam aufkreuzt, um auf der extrem schwer zu reitenden Welle jämmerlich baden zu gehen, feixen die Lokalmatadoren, die eifersüchtig ihr Surfrevier verteidigen.
Schließlich hat Walter, der Hausmeister vom Eisbach, vor vielen Jahren Schwellen im Fluß verlegt, die das Surfen überhaupt erst möglich machten.
Mit der fabelhaften Szene-Doku über Münchens Fluss-Surfer ist Björn Richie Lob ein begeisterndes Portrait von sechs Sportfanatikern gelungen.
Das Lob selbst zu dieser Szene gehört, hat das Projekt, das 10 Jahre gedauert hat, erst möglich gemacht.
So sind ihm überraschend tiefe Einblicke in die Seele der Eisbach-Surfer gelungen.
Informativ, unterhaltsam, mitreißend und auch wehmütig geht es zu bei dieser sehenswerten Dokumentation.
Angesichts des großen Erfolges hat Lob vor allem eines erreicht:
Eine bisher eigentlich illegale Szene wird endlich legalisiert.
Das Land Bayern wird die Verantwortung für den Eisbach an die Stadt München übergeben.
Und Münchens Oberbürgermeister hat signalisiert, das er dem Eisbach-Surfen positiv gegenübersteht und es erstmals offiziell erlauben will.
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