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28. Mai 2009
Posted in
Kinotipps -
Drama
Krimidrama mit Edgar Selge als zu DDR-Zeiten privilegierter Fotoreporter, der nun, beruflich angeschlagen, von seiner Vergangenheit eingeholt wird.
Wolfgang Kerber ist alternder Reporter einer Tageszeitung.
Sein Redakteur betrachtet ihn als Kostenfaktor und verlangt Unterhaltung statt Humanismus, mit dem Kerber über Gewaltopfer berichtet, um einer gleichgültigen Welt Hoffnung zu geben.
Zur Zeit der DDR war er noch ein erfolgreicher Sportreporter gewesen und hatte für seinen Beruf seine Familie sträflich vernachlässigt.
So steht es mit der Beziehung zu seiner inzwischen erwachsenen Tochter nicht gerade zum Besten, sie sehen sich nur selten.
Aus diesem Engagement spricht das schlechte Gewissen: Der abgekämpfte Typ ist nicht der umgänglichste Zeitgenosse und merkt nicht, was er anderen antut, auch nicht seiner erwachsenen Tochter Margitta (Anja Schneider).
Als diese ihm am Grab der Mutter von einer Ausreisserin erzählt, wittert er eine Sensationsstory.
Er sieht sie als seine vielleicht letzte Chance und begibt sich auf die Reise in die ostdeutsche Provinz.
Doch die Recherche in der strukturschwachen Provinz Sachsen-Anhalt bringt ein ganz anderes Ergebnis als erwartet und wirft Kerber auf seine nie aufgearbeitete Vergangenheit zurück:
Als Sportreporter der DDR genoss er ein privilegiertes Leben auf Kosten seiner Familie und musste nach der Wende neu anfangen.
Informant Konrad (Ralf Dittrich, derzeit in Phantomschmerz) scheint sein einziger Verbündeter im verkommenen Jammertal des Westens zu sein.
Ein Streit mit seiner Tochter, die ihm schwere Vorwürfe macht, bricht seine Verkapselung auf.
Damit ist der gemächliche Krimi des auf ostdeutsche Sujets spezialisierten Marco Mittelstaedt (Jena Paradies) letztlich Aufhänger für ein Vater-Tochter-Drama.
Der Beitrag aus der ZDF-Reihe Das kleine Fernsehspiel hat nicht ganz Kinoformat, die Geschichte ist etwas dünn und die Konflikte sind nicht richtig ausgearbeitet, um ihr ganzes dramatisches Potenzial zu entfalten. Doch die in dunkle, kalte Bilder getauchte Studie um einen Wendeverlierer punktet mit überzeugenden Darstellern und einer kritischen Haltung nicht nur der DDR, sondern auch dem heutigen Deutschland gegenüber.
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