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28. März 2010
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Kinotipps -
Komoedie
Boxhagener Platz ist ein "Heimatfilm", der auch ohne konventionelles Happy End rundum glücklich macht:
1968 in Ost-Berlin.
Holger (Samuel Schneider) ist 12, und ist oft bei seiner Oma Otti (Gudrun Ritter). Sie ist die beste Großmutter der Welt.
Die rüstige alte Dame kocht gerne und redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.
Seine Eltern (Jürgen Vogel und Meret Becker) streiten sich nämlich oft, und dass sein Vater Abschnittsbevollmächtigter in ihrem Berliner Wohnviertel ist, macht es für Holger auch nicht gerade einfach.
Gemeinsam mit Oma geht er auf den Friedhof.
Sie sprechen über dies und das, und über Omas Männer. Gerade flirtet sie wieder, mit Karl Wegner (Michael Gwisdek), seines Zeichens Ex-Spartakuskämpfer und systemkritischer Zeitgenosse.
Ottis Mann liegt im Bett, und als er stirbt, übernimmt Karl (Michael Gwisdek) seinen Platz.
Aber es ist in Ordnung so, alles scheint in Ordnung. Wenn da nur nicht die Sache mit Fisch-Winkler (Horst Krause) passiert wäre:
Der Mord an dem Fischhändler und Ex-Nazi erschüttert den Bezirk; der Händler von gegenüber ist mit einer Flasche erschlagen worden.
Und genau in der Mordnacht machte sich Ottis Gatte Nummer Sechs noch mal auf in die Kneipe, wohl wissend, dass auch der Fischkopf seiner Frau mehr als nur fetten Karpfen verkaufen möchte.
Polizei und Stasi ermitteln, und das sorgt am Boxhagener Platz für ordentlich Wirbel. Bei der Suche nach dem Täter kommt so manches intime Detail ans Licht.
Matti Geschonneck, selbst am Boxhagener Platz aufgewachsen, wie auch Buch- und Drehbuchautor Torsten Schulz, überrascht mit einer anrührenden "Dramödie" voller lakonischem Witz und hintergründiger Ironie; er taucht in den Mikrokosmos des Jahres 1968 ein, als in Westberlin die Studenten auf die Barrikaden gehen und im Osten noch trügerische Ruhe herrscht.
Viele authentische Details fließen in die fiktive Handlung ein, die Ausstattung demonstriert enge Spießbürgerlichkeit, die Dialoge geben tiefgründige Lebensweisheiten preis.
Im Proletarier-Bezirk Friedrichshain tummeln sich die skurrilsten Figuren, mal systemtreu, meistens aber in passivem Widerstand. Da zählen die kleinen Aufmüpfigkeiten, nicht der große Widerstand, die kleine Politik, nicht die große.
Und wenn Karl beim deftigen Mahl mal ein Flugblatt Russen raus aus Prag oder den westlichen Stern auspackt, stößt das bei Oma und Enkel auf Neugier.
Geschonneck entwirft ein Tableau des Alltags mit Herz, aber ohne Herzigkeit und ohne Ostalgie, einen Generationen-Gegensatz zu Leander Haußmanns ausgelassener "Sonnenallee".
Am Ende weiß der Zuschauer viel über die politische Situation, aber noch mehr über die Baustellen des Lebens und die Lust auf Liebe, vor der auch Alter und Falten nicht schützen.
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